"Bringst du mich noch bis zur Brücke?
Ich habe solche Angst, dort alleine zu stehen.
Wenn wir dort sind, dann kehre nicht dirkt um,
sondern warte bis ich hinüber gegangen bin und winke mir nach.
Dann fühle ich mich ganz sicher und vertraut..."
Ausschnitt aus einem Gedicht von Toine Lace
Begleitung
Sterben und Trauern sind natürliche Prozesse und gehören ebenso zum menschlichen Dasein wie das Leben selbst. Die Tränen der Trauer entspringen derselben Quelle wie die Tränen des Lebens. In Zeiten des Abschieds kann eine einfühlsame Begleitung Halt geben und ein Gefühl von Umhüllung, Geborgenheit und Sicherheit vermitteln. Begleitung bedeutet vor allem, präsent zu sein. Sie beinhaltet, Ohnmacht und Hilflosigkeit anzunehmen, aufmerksam zu bleiben und achtsam Impulse zu geben. Sie schafft Raum für Ruhe und eine tragende Atmosphäre. Begleiten heisst auch, Vertrauen zu schenken, Worte zu finden oder bewusst zuzuhören, Grenzen wahrzunehmen und Emotionen zuzulassen. Ebenso wichtig ist es, Stille auszuhalten, Gefühle zu tolerieren und dem Moment mit Offenheit zu begegnen.
Leben - Sterben - Trauern
Seit jeher beschäftigen sich Menschen mit der Frage, wie wir mit Geburt und Leben umgehen können. Die Auseinandersetzung mit den grossen Fragen gehört zum Wesen des Menschseins.
Woher komme ich?
Wohin gehe ich?
Was ist meine Wahrheit?
Aus diesen grundlegenden Fragen entsteht unweigerlich auch die Auseinandersetzung mit Leben, Sterben und Tod. Vielleicht verbringen wir unser ganzes Leben damit, dieses Geheimnis zu ergründen. Das Leben selbst schenkt uns immer wieder Gelegenheiten, an Übergängen zu wachsen: loszulassen, Ängste zu überwinden und Trauer zuzulassen. In gewisser Weise lernen wir dabei, das Sterben zu verstehen. Sterben ist kein plötzlich eintretendes Ereignis und auch kein klarer Schlusspunkt. Vielmehr gleicht es einer Reise – einem Weg mit verschiedenen Wendungen, Herausforderungen und Hindernissen, der dennoch ein Ziel hat: den Übergang über die Schwelle des Todes.
Als Begleiterin für Menschen, die gehen, und für jene, die bleiben, unterstütze ich diesen Prozess des Loslassens und Abschiednehmens. Meine Aufgabe ist es, einen Raum zu schaffen, in dem dieser Übergang achtsam und würdevoll begleitet werden kann.
Philosophie
Die Begleitung von sterbenden Menschen ist eine tief berührende Erfahrung. Sie kann zugleich ein Schritt auf dem eigenen Weg zu mehr innerer Klarheit und zu einer bewussteren Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit sein. Im Prozess des Sterbens kann es hilfreich sein, wenn wir für uns erkannt haben, dass der Tod auch als Übergang verstanden werden kann und dass die Essenz des Menschen – seine Seele – über das Sichtbare hinaus besteht. Eine solche Haltung ermöglicht es, ganz im gegenwärtigen Moment zu sein: nah, achtsam und mitfühlend im Hier und Jetzt. Erst durch die persönliche und ehrliche Auseinandersetzung mit dem Geheimnis des Todes lernen wir, angstfrei und bedingungslos da zu sein, wenn ein Mensch sich diesem Übergang nähert.
Als Begleiterin für Menschen am Lebensende sowie für ihre Angehörigen unterstütze ich den Übergangsprozess einfühlsam und achtsam. Dabei vermittle ich zwischen Diesseits und Jenseits und begleite sowohl das Loslassen als auch das Annehmen des Abschieds, um einen friedvollen Übergang zu ermöglichen.